Unterkühlung & Bergungstod: Warum falsches Bewegen lebensgefährlich sein kann

Eine Unterkühlung gehört zu den am meisten unterschätzten Notfällen in der Ersten Hilfe. Besonders im Winter, bei Freizeitunfällen oder bei längerer Kälteeinwirkung besteht ein erhöhtes Risiko, dass der Körper seine Temperatur nicht mehr halten kann.
Während viele Menschen vor allem an Erfrierungen oder „Kälte an sich“ denken, liegt die eigentliche Gefahr häufig ganz woanders: bei der Rettung selbst.

Was passiert bei Unterkühlung im Körper?

Sinkt die Körperkerntemperatur, versucht der Körper seine lebenswichtigen Organe – insbesondere Herz und Gehirn – zu schützen.
Dazu reduziert er die Durchblutung in Armen, Beinen und Haut. Diese Bereiche kühlen dadurch weiter aus, während der Körperkern so lange wie möglich warm gehalten wird.

Typische Anzeichen einer Unterkühlung sind:

  • blasse oder bläuliche Haut
  • Kältegefühl
  • Zittern (zu Beginn)
  • verlangsamte Reaktionen
  • später: Bewusstseinsstörungen, Apathie oder fehlendes Zittern

Je weiter die Unterkühlung fortschreitet, desto stärker wird die Person in ihren Funktionen eingeschränkt.

Warum Bewegung so gefährlich werden kann – der sogenannte „Afterdrop“

Bei einer starken Unterkühlung kann unnötige Bewegung lebensgefährlich werden.
Wird die betroffene Person zu stark oder ruckartig bewegt, gelangt das sehr kalte Blut aus Armen und Beinen plötzlich zurück in den Körperkern.

Das führt zu:

  • einem weiteren Temperaturabfall im Inneren
  • einer zusätzlichen Belastung für Kreislauf und Herz
  • möglicherweise schweren Herzrhythmusstörungen

Im schlimmsten Fall kann es hierbei zu einem Kollaps oder sogar Herzstillstand kommen – umgangssprachlich spricht man von einem „Bergungstod“.

Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb:
👉 Unterkühlte Personen so wenig wie möglich bewegen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unterkühlung

Ruhe bewahren & Umgebung sichern

Bevor du hilfst, sollte der Ort sicher sein.
Lärm, Hektik und unnötige Bewegungen können den Zustand verschlimmern.

Bewusstsein und Atmung prüfen

Sprich die Person an, berühre sie vorsichtig.
Reagiert sie nicht, prüfe die Atmung mit dem Kopf überstrecken–sehen–hören–fühlen–Schema.
Atmet sie normal, bleibt sie möglichst in der aufgefundenen Lage.

Person warmhalten – aber NICHT aktiv aufwärmen

Das Ziel ist, weiteren Wärmeverlust zu verhindern, nicht die Person aufzuwärmen.

Geeignet sind:

  • Rettungsdecke (goldene Seite nach außen)
  • Jacken, Decken oder trockene Kleidung
  • eine isolierende Unterlage gegen Bodenkälte

Nicht geeignet sind:

  • Wärmflaschen
  • Heizkissen
  • warme Getränke
  • Reiben an Armen oder Beinen

Diese Maßnahmen könnten die gefährliche Rückführung kalten Blutes beschleunigen.

Schonende Behandlung

Bewege die Person nur, wenn es wirklich sein muss – etwa bei Gefahr durch Verkehr, Kälte oder Lawinenlage.
Falls die Person nicht ansprechbar ist und normal atmet, wird sie vorsichtig in die stabile Seitenlage gebracht.

Regelmäßig Atmung überwachen

Unterkühlte Menschen können plötzlich bewusstlos werden.
Bleibe unbedingt in der Nähe.

Notruf absetzen

Bei Unterkühlung gilt:
Immer den Rettungsdienst alarmieren.
Die weitere Behandlung gehört in professionelle Hände.

Was du auf keinen Fall tun solltest

❌ Kein heißes Wasser oder Getränke
❌ Kein direktes Erwärmen mit Heizkörpern
❌ Kein Wasserbad
❌ Keine aktive körperliche Bewegung
❌ Kein Alkohol (stört Thermoregulation)

All das kann den Zustand dramatisch verschlimmern.

Fazit

Unterkühlung ist ein ernstzunehmender medizinischer Notfall.
Das Gefährliche ist nicht nur die Kälte selbst, sondern vor allem die Art und Weise, wie die betroffene Person bewegt oder gerettet wird.
Die richtige Erste Hilfe ist ruhig, kontrolliert und darauf ausgerichtet, Wärmeverlust zu stoppen und unnötige Belastung zu vermeiden.

Schonendes Handeln rettet Leben – besonders im Winter.

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