Erst Strom aus, dann helfen! Bei einem Elektrounfall zählt schnelles Handeln. Doch wer unüberlegt eingreift, kann sich selbst in Lebensgefahr bringen. Wir erklären, worauf es bei der Ersten Hilfe nach einem Stromschlag ankommt und welche Sicherheitsregeln Sie unbedingt beachten sollten.
Warum ist ein Stromunfall so gefährlich?
Ein beschädigtes Kabel, ein defektes Elektrogerät oder eine ungesicherte elektrische Anlage: Stromunfälle können sowohl im Betrieb als auch zu Hause passieren.
Das Gefährliche daran: Die Folgen eines elektrischen Stromschlags sind nicht immer von außen erkennbar. Elektrischer Strom kann schwere Verbrennungen, Muskelverkrampfungen und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen.
Im schlimmsten Fall kommt es zum Herz-Kreislauf-Stillstand.
Deshalb gilt bei jedem Stromunfall: Die eigene Sicherheit hat immer Vorrang.
Erste Regel: Strom abschalten, bevor Sie helfen!
Bevor Sie eine verunglückte Person berühren, müssen Sie sicherstellen, dass keine elektrische Gefährdung mehr besteht.
Dabei ist zwischen Niederspannung und Hochspannung zu unterscheiden.
Stromunfall bei Niederspannung
Niederspannung bezeichnet elektrische Spannungen bis 1.000 Volt Wechselspannung. Dazu gehören beispielsweise die üblichen 230-Volt-Steckdosen in Haushalten und viele elektrische Anlagen in Betrieben.
So handeln Sie richtig:
- Unterbrechen Sie die Stromzufuhr, beispielsweise durch Ziehen des Netzsteckers oder Ausschalten der Sicherung im Verteiler.
- Berühren Sie die betroffene Person erst, wenn eine elektrische Gefährdung sicher ausgeschlossen ist.
- Sichern Sie die Gefahrenstelle und verhindern Sie, dass weitere Personen gefährdet werden.
Lässt sich die Stromzufuhr nicht sicher unterbrechen, dürfen Sie sich nicht selbst in Gefahr bringen. Alarmieren Sie Hilfe.
Stromunfall bei Hochspannung
Bei Hochspannungsanlagen mit mehr als 1.000 Volt besteht eine besonders große Gefahr. Elektrischer Strom kann unter Umständen sogar ohne direkte Berührung durch einen Lichtbogen überspringen.
Hier gilt: Abstand halten!
Die DGUV empfiehlt bei Hochspannungsunfällen einen Sicherheitsabstand von mindestens 20 Metern.
Rufen Sie sofort die 112 an und weisen Sie ausdrücklich auf einen Hochspannungsunfall hin.
Die Abschaltung der Anlage und die Rettung der betroffenen Person dürfen ausschließlich durch entsprechend qualifiziertes Fachpersonal erfolgen. Erst nach der Freigabe des Gefahrenbereichs können weitere Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt werden.
Erste Hilfe nach einem Stromschlag: So gehen Sie vor
Sobald die Gefahrenstelle sicher ist, richten sich die Erste-Hilfe-Maßnahmen nach dem Zustand der betroffenen Person.
1. Bewusstsein prüfen
Sprechen Sie die Person laut an und prüfen Sie vorsichtig, ob sie reagiert.
2. Atmung kontrollieren
Ist die Person bewusstlos, prüfen Sie unverzüglich die Atmung – maximal zehn Sekunden lang.
3. Notruf 112 veranlassen
Bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, Schmerzen, Verbrennungen oder anderen auffälligen Beschwerden muss sofort der Rettungsdienst alarmiert werden. Gleiches gilt bei Hochspannungsunfällen oder wenn schwere innere Verletzungen zu befürchten sind.
4. Lebensrettende Maßnahmen durchführen
- Bewusstlos, aber normale Atmung vorhanden: stabile Seitenlage herstellen und Atmung regelmäßig kontrollieren.
- Keine normale Atmung oder Schnappatmung: sofort mit der Wiederbelebung beginnen und einen verfügbaren AED einsetzen.
5. Betroffene betreuen
Ist die Person ansprechbar, beruhigen und betreuen Sie sie. Vermeiden Sie unnötige körperliche Anstrengung. Versorgen Sie gegebenenfalls Verletzungen und schützen Sie die Person vor Auskühlung.
Muss man nach einem Stromunfall zum Arzt?
Ja. Auch nach einem scheinbar harmlosen Stromschlag ist eine zeitnahe ärztliche Untersuchung erforderlich.
Selbst wenn keine sichtbaren Verletzungen vorliegen und sich die betroffene Person zunächst wohlfühlt, können gesundheitliche Komplikationen auftreten.
Besonders wichtig ist die Kontrolle der Herzfunktion, da elektrische Körperdurchströmungen Herzrhythmusstörungen verursachen können.
Bei einem kurzen Niederspannungskontakt ohne erkennbare Beschwerden kann nach den DGUV-Hinweisen gegebenenfalls auch eine begleitete Fahrt zur ärztlichen Untersuchung erfolgen. Die betroffene Person darf dabei nicht selbst fahren.
Ob eine weitere medizinische Überwachung notwendig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Bei Beschwerden, auffälligem Unfallhergang oder Unsicherheit gilt: Rettungsdienst über 112 alarmieren.
Stromunfälle im Betrieb: Vorbereitung macht den Unterschied
In Unternehmen gehört der sichere Umgang mit elektrischen Gefahren zur betrieblichen Arbeitssicherheit.
Neben regelmäßigen Prüfungen elektrischer Betriebsmittel und der Unterweisung von Beschäftigten sollte auch die betriebliche Erste-Hilfe-Organisation auf entsprechende Notfälle vorbereitet sein.
Wichtige Fragen für Ihren Betrieb:
- Wissen die Beschäftigten, wie sie bei einem Elektrounfall reagieren müssen?
- Sind die Möglichkeiten zur sicheren Stromabschaltung bekannt?
- Stehen ausreichend ausgebildete Ersthelferinnen und Ersthelfer zur Verfügung?
- Sind Notrufwege und Zuständigkeiten klar geregelt?
- Wissen die Beschäftigten, wo sich ein vorhandener AED befindet?
Gerade in Produktionsbetrieben, Werkstätten, technischen Anlagen und auf Baustellen sollten solche Abläufe regelmäßig besprochen werden.
Erste Hilfe lernen heißt Handlungssicherheit gewinnen
In einer Notfallsituation bleibt selten Zeit, lange über den richtigen Ablauf nachzudenken.
Deshalb vermitteln wir bei KNIWAMED Erste Hilfe praxisnah und verständlich. Unsere Teilnehmenden lernen, Gefahren zu erkennen, Notfälle richtig einzuschätzen und die notwendigen Maßnahmen sicher anzuwenden.
Ob Erste-Hilfe-Ausbildung oder regelmäßige Fortbildung: Praktisches Üben hilft dabei, im Ernstfall entschlossen zu handeln.
Unser KNIWI-Merksatz:
Erst Eigenschutz. Dann Strom aus. Danach helfen.
Denken Sie daran: Eine Erste-Hilfe-Ausbildung ersetzt keine elektrotechnische Fachqualifikation oder die vorgeschriebene Sicherheitsunterweisung für Arbeiten an elektrischen Anlagen.
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Fachliche Grundlagen:
DGUV-Fachbereich Erste Hilfe – Fragen und Antworten zu Stromunfällen
DGUV Information 204-007, „Handbuch zur Ersten Hilfe“, Seiten 37–40